Willkommen beim Neumühler SV

28. April 2026
Mit einem Kantersieg im Gepäck reiste der Neumühler SV am 16. Spieltag der Kreisliga SN-NWM zur Mannschaft mit dem wohl gefürchtetsten Platz: Der Dargetzower SV, der seine Spiele auf der Bebberwiese (was eine Urgewalt von Stadionname) austrägt, ist bekannt für einen Hartplatz, der in dieser Saison schon so manchen Gegner zur Verzweiflung brachte. Jener schmale, von Asche bedeckte Platz am Rande der Hansestadt Wismar lud nicht unbedingt zum Fußballspielen ein, auch wenn er durch seine glatte Beschaffenheit durchaus für gepflegte Passstafetten taugte. Da die Konkurrenz im Aufstiegskampf gepatzt hatte – Bad Kleinen und Boltenhagen trennten sich im direkten Duell unentschieden und der Mecklenburger SV hatte verloren – ergab sich für die Schweriner die große Gelegenheit, den Abstand zu drei der vier Verfolger auszubauen. Für dieses Vorhaben musste Coach Baruschke sein Team jedoch etwas umbauen. Im dieses Mal kleinen Kader nahm mit Stefan Schulz sogar ein Spieler der Alten Herren auf der Bank Platz, um einen Wechsler mehr aufbieten zu können. Im Tor ersetzte Rusch im lustigen Torhüter-Karussell erneut Burghardt, davor spielte Ausbilder Schröder für den abwesenden T. Sulkowski, sodass erstmals in der Rückrunde die Nachkommen des just wiedergewählten Abteilungsleiters die Innenverteidigung bildeten. Hinten links wurde Koffein-Kevin nach seinem Doppelpack aus der Vorwoche mit einer Position weiter hinten belohnt, da hier schlicht die Alternativen fehlten und er dort schon einmal irgendwann gespielt hatte. Auf den offensiven Außen war damit wieder Platz für die zurückkehrenden Hoffmann und R. Holst. Baruschke wusste, dass es heute nicht nur auf das technische Können, sondern auch auf die Widerstandsfähigkeit ankommen würde. Hierfür war auch Sani Lauri da, die wie so oft mit ihrem Zauberkasten voll Wärmesalbe und Eisspray unterstützte. Schon die ersten Schritte beim Warmmachen zeigten, worauf man sich heute einstellen sollte: Bei jedem Schritt staubte es unter dem Schuhwerk, gegebenenfalls surfte man bei schnellen Richtungswechseln kurz auf einer Steinlawine in die ursprüngliche Richtung. Einige Spieler klagten aufgrund der Härte des Platzes über Fußschmerzen und Schlussmann Rusch sah beim Warmschießen alles andere als glücklich aus. Aber es half nichts, Schiedsrichter Brandt, extra aus Ratzeburg für diese Wahnsinnspartie angereist, eröffnete das Spiel. Zengel zeigte zugleich, was man auf dem Geläuf nicht unbedingt zu oft machen sollte, und legte sich nach wenigen Momenten der Länge nach auf die Nase. Der Gastgeber kam etwas besser ins Spiel und verzeichnete erste Distanzschüsse, ohne aber wirklich gefährlich zu werden. Die Gäste kamen nach fünf Minuten der Eingewöhnung vor allem über Rechtsaußen Holst vors Tor, aber auch hier fehlte zu Beginn die letzte Genauigkeit. Besser machte es in der 18. Minute Zengel, der nach Vorlage von P. Sulkowski aus 16 Metern überlegt ins lange Eck einschob. In der Folge drängte der NSV auf den zweiten Treffer, scheiterte aber nach wie vor mehr an sich als am Gegner. Dargetzow versuchte vor allem über Standards gefährlich zu werden und gerade die Ecken wurden brandgefährlich. Eine davon konnte Kapitän Schröder gerade noch am kurzen Pfosten mit den Haarspitzen über den Kasten lenken und somit den Ausgleich verhindern, Rusch wäre hier vermutlich chancenlos gewesen. Ansonsten stand die Abwehrkette gut, Haudegen B. Schröder köpfte alles Runde weg, was sich bewegte, und Salchow kurbelte über seine Seite das Offensivspiel gekonnt an. Dennoch musste man durch eine weitere Ecke das 1:1 unmittelbar vor der Pause hinnehmen. Zuerst klärte Hahn nur unzulänglich, den zweiten Versuch verlängerte Lauer ansatzlos in die Maschen. Ein ärgerlicher Ausgleich, der sich nicht unbedingt angedeutet hatte, auch wenn die Heimmannschaft in einer ausgeglichenen ersten Halbzeit nach dem Rückstand besser geworden war. Somit ging es mit einem Unentschieden in die Pause, aus der Neumühle unverändert kam, während die Gastgeber einmal wechselten. Dieses Mal kamen Erstgenannte besser in den Durchgang, Spielmacher Dombrowski erzielte in der 50. Minute technisch fein per Lupfer die erneute Führung, Schlussmann Ruge flog und streckte sich vergebens. Doch dieses Mal sollte der Spielstand nicht mal sechzig Sekunden bestehen bleiben, Günther glich aus Abseitsposition ebenfalls per Lupfer wieder aus. Alles Reklamieren half nichts, der Unparteiische Brandt blieb bei seiner Entscheidung. Unmittelbar danach gab es für Dargetzow die Möglichkeit, erstmalig selbst in Front zu gehen, doch Keeper Rusch rettete seine Farben gekonnt per Pressschlag und brauchte anschließend jeden Millimeter seiner Tentakelarme, um den Ball zu sichern. Dies nutzten die Gäste als Wachruf und steigerten ihre Bemühungen um das dritte Tor erneut, nach wie vor kam man auf dem Platz aber noch nicht wirklich klar und konnte nur wenig Zählbares herausspielen. Baruschke reagierte und brachte in der 62. Minute Hampusch für Holst, neun Minuten später kam Kampfkoloss Schulz vor den Schweriner Sascha Mölders, P. Sulkowski. Beide Joker verliehen den Angriffen neue Dynamik und wurden zum wichtigen Faktor in den restlichen Minuten. Gerade Hampusch tat sich hier hervor, unter anderem mit seinem schönen Lupfertor in Minute 71 zum langersehnten 2:3. Wenig später erinnerte sein Sprint außerhalb des Spielfeldes an Prime Gareth Bale, auch wenn in dieser Situation kein Tor dabei herauskam. In einer intensiven Partie ging es nun darum, die Führung dieses Mal nicht zu verspielen, während die Gastgeber erneut gleichziehen wollten, aber nun an der Defensive des NSV scheiterten, die sich mit Hand und Fuß dagegen wehrte. Bestes Beispiel dafür war ein taktisches Foul von Hahn, der seinem Gegner die Hand reichte und dessen Flosse sekundenlang festhielt, obwohl dieser eigentlich in Richtung Tor unterwegs sein wollte. Brandt war anscheinend begeistert von diesem lässigen Handschlag und verzichtete seltsamerweise auf eine gelbe Karte in einer größtenteils sehr fairen Begegnung. Drei Minuten vor Schluss brachte Baruschke noch Nittke für Hoffmann, um das Ergebnis zu sichern. Dies gelang weiterhin relativ ungefährdet, weshalb Brandt mit seinem Abpfiff später den immens wichtigen Auswärtssieg der Landeshauptstädter offiziell machte. In einem umkämpften Spiel von überschaubarem Niveau gingen somit die Neumühler mit dem besseren Ende vom Hartplatz und können ihren Vorsprung auf die Konkurrenz ausbauen. Nur Gostorf um den sich in Top-Super-Ultraform befindlichen Torjäger und Schirinamensvetter Brandt bleibt nach wie vor zwei Punkte hinter dem NSV auf Platz drei. Ganz vorne steht Spitzenreiter Schlagsdorf/Mustin dagegen kurz vor der Meisterschaft und benötigt dafür nur noch läppische sechs Punkte aus den verbleibenden sechs Spielen. Für die Schweriner beginnen im Kampf um den verbleibenden Aufstiegsplatz nun die Wochen der Wahrheit mit aufeinanderfolgenden direkten Duellen gegen Boltenhagen, Bad Kleinen und eben Gostorf. Durch den hart erarbeiteten Sieg hat man dafür eine gute Grundlage, auch wenn Dargetzow einem viel abverlangte und sich auf Augenhöhe zeigte. In einem Spiel ohne viele echte Chancen entschied am Ende die bessere Durchschlagskraft im Angriff, gepaart mit einer rigorosen Verteidigung, die sich im wahrsten Sinne des Wortes in den Gesichtern der Spieler widerspiegelte. B. Schröders sonst kahle Platte hatte eine aschblonde Farbe angenommen, Zengels Gesicht sah aus, als wäre er auf einen staubigen Bilderrahmen gefallen. In Vorbereitung auf das Aufeinandertreffen mit dem Viertplatzierten SV Bad Kleinen kann man nun die Zeit investieren, um Staub sowie Steinchen aus Klamotten, Lunge, Haaren und Epidermis herauszuwaschen. NSV spielte mit: Rusch – Hahn, B. Schröder, C. Schröder (C), Salchow – Zengel, Schöwe – Holst (62. Hampusch), Dombrowski, Hoffmann (87. Nittke) – P. Sulkowski (71. Schulz)



