Geschichte wiederholt sich – Neumühler SV verliert Spiel und Platz 2 gegen Dorf Mecklenburg
9. April 2026
Geschichte wiederholt sich – Neumühler SV verliert Spiel und Platz 2 gegen Dorf Mecklenburg

Coach Baruschke konnte nach dem Rückrundenstart zufrieden sein. Mit vier Punkten aus zwei Spielen begann die zweite Halbserie für sein Team deutlich erfolgreicher als die erste, und durch die Niederlage des Konkurrenten Mecklenburger SV gegen SC Ostseebad Boltenhagen stand man wieder auf dem Vizemeisterplatz. Gegen erstgenannte trat man heute im Topspiel des Spieltages an. Zum dritten Mal in Folge war ein Großteil des Kaders unverändert, sodass nur Schlussmann Rusch (heute ohne Basecap) wieder zwischen die Pfosten rückte und R. Holst nach abgesessener Sperre auf Rechtsaußen startete. Ansonsten blieben die Startaufstellung und die Abläufe gleich, weswegen die Taktikansprache in den zwei Gästekabinen in Rekordzeit abgehalten wurde, bevor er seine Mannen in das eklige Mecklenburger Regenwetter rausschickte.
Wie in den beiden Spielen zuvor war auch an diesem Spieltag ein Teil der Gedanken noch im Hinspiel, als man trotz eines überlegenen Auftritts und einer Führung mit 2:3 auf der heimischen Ranch verlor. Durch einen Sieg wollte man sich im engen Aufstiegsrennen der Kreisliga SN-NWM gegenüber den anderen Teams absetzen. Dafür wollte man erneut etwas mutiger ins Pressing gehen und den Gegner zu Fehlern zwingen, wie es in der Woche zuvor gegen das Schlusslicht aus Parum/Dümmer gut geklappt hatte. Bei ungemütlichen Bedingungen pfiff der Unparteiische Michael Gniffke vor 58 gespannten Zuschauern die Partie an.
Und es ging früh so los, wie es Baruschke bestimmt erträumt hatte. Durch einen guten Pressingmoment eroberte der NSV in der siebten Minute den Ball tief in der gegnerischen Hälfte. Jungstar Dombrowski übersah zwar den vollkommen freien Stürmer Zengel, hatte aber anschließend eine Menge Dusel, als Heimkeeper Krüger seinen eigentlich ungefährlichen Abschluss aus 20 Metern unter sich durchrutschen ließ, als wäre das Spielgerät mit Butter eingeschmiert.
Die frühe Führung führte unmittelbar zu einer taktischen Umstellung bei den Gastgebern, die vorher noch versucht hatten, das Spiel flach aufzubauen. Nun verlagerte man sich auf lange Bälle, die die physisch starken Stürmer verlängern oder festmachen sollten. Doch direkt nach Wiederanpfiff gab es die Chance aufs 0:2, als mehrere Abschlüsse der Gäste gerade noch von Krüger und seinen Abwehrleuten geblockt werden konnten. R. Holst forderte sogar Elfmeter, erhielt diesen jedoch nicht. Nichtsdestotrotz dominierten die Schweriner die Anfangsviertelstunde.
Umso überraschender fiel dann der Ausgleich in der 17. Minute, nachdem Abräumer Hahn den Ball im Mittelfeld verloren hatte. Abwehrspieler T. Sulkowski wollte die Kugel am eigenen Sechzehner wegdreschen, traf aber nur die Vaterplauze von Hahn, der damit perfekt für den vollkommen freien Blum ablegte. Dieser sagte artig „danke“ und schob aus heiterem Himmel zum 1:1 ein.
Neumühle schüttelte sich kurz und übernahm danach wieder die Kontrolle über das Spiel, auch wenn man nicht jeden Flugball von Dorf Mecklenburg perfekt verteidigte. Nur im Aufbau fand man nicht immer die perfekte Lösung und war mehr auf gelungene Einzelaktionen angewiesen. Nach einer solchen traf Zauberer Dombrowski aus ähnlicher Position wie beim Führungstreffer nur den Innenpfosten, nach einem Rückpass vom Fünfmeterraum verfehlte ein Angreifer das halbleere Tor aus wenigen Metern, weil beim Abschluss die Überzeugung fehlte.
Und so brauchte man etwas Unterstützung des Schiedsrichters, der den Angereisten einen strittigen Elfmeter vier Minuten vor der Halbzeit zusprach. Beim angeblichen Foul knallte es zwar so laut, dass es bis nach Wismar zu hören war, dennoch hatte der Verteidiger in hoher Intensität eigentlich zuerst klar den Ball gespielt und danach Dombrowskis Fußgelenk um 180 Grad umgebogen. Kapitän Schrotti war es egal, und auch die (regelwidrigen?) Ablenkungsversuche von Krüger auf der Linie ließen ihn kälter als das vorherrschende Regenwetter. Abgezockt schob er die Kugel von sich aus gesehen unten rechts über die Linie und verlud Krüger damit wie einen Kasten Bier in sein Auto.
Nun wollte man diesen zweiten Vorsprung, den man so herbeigesehnt hatte, das kurze Stück in die Halbzeit bringen, scheiterte aber kläglich daran. Nur 120 Sekunden später drosch Matzkeit einen halbgar geklärten Freistoß aus 18 Metern aufs Tor, Rusch sah im Gewusel vor sich nichts, und Allstar Schöwe fälschte zum Schluss noch unhaltbar ins linke Eck ab. Große Freude herrschte bei den Gastgebern, ebenso groß fiel der Ärger der Schweriner aus. Mit diesem unnötigen 2:2 ging es in die Halbzeit. Die ersten 45 Minuten waren dabei geprägt von vielen technischen Fehlern auf beiden Seiten. Baruschke forderte in der Kabine schnelleres Umschalten von seinen Spielern, um die unsichere Defensive des Gegners besser auszunutzen.
Der zweite Durchgang begann da, wo man davor aufgehört hatte. Viel Stückwerk auf beiden Seiten, man passte sich dem trägen, schwerfälligen Wetter wie schon in der ersten Halbzeit an und brachte nur wenig Ansehnliches aufs Feld. In der 54. Minute wechselte Baruschke erstmals und brachte Koffein-Kevin Salchow für den angeschlagenen Hahn, Zengel rückte aus der Sturmspitze auf die Sechs. Diese Umstellung sollte sich gleich bezahlt machen. Einen Freistoß von Schröder legte Dampfwalze Bebernitz per Kopf auf Zengel ab, der sträflich frei war und in Minute 57 überlegt per Kopf die dritte Führung erzielte.
Diese sollte nun endlich ausreichen, um mit Punkten wieder nach Hause zu fahren. Weiterhin investierte man mehr in der Offensive, scheiterte aber an der eigenen Effizienz. So verlängerte beispielsweise Dombrowski eine Flanke von Salchow per Schlangenhals-Kopfball knapp am langen Pfosten vorbei. Dorf Mecklenburg kam langsam, aber stetig zurück ins Spiel, haute sich leidenschaftlich in alle Zweikämpfe und konnte durch einen Sonntagsschuss am Samstag erneut ausgleichen.
Ein schlecht bereinigter Ball landete bei Kosel, der aus dem Stand und großer Entfernung die Kugel sensationell über Rusch hinweg unter die Latte zum 3:3 beförderte. Erneut hatte das Heimteam mehr oder weniger aus dem Nichts den Ausgleich erzielt. Hahn prophezeite auf der Bank neben Magnesiummapfer L. Holst schon den weiteren Ausgang des Spiels, der in der 79. Minute wahr werden sollte.
Erneut klärte man eine Situation unnötig schlecht, erneut trafen die Gäste per Traumtor und gingen durch Doppelpacker Matzkeit erstmals selbst in Front. Kurz zuvor musste Baruschke zweimal wechseln und den gelb-rot gefährdeten R. Holst sowie den angeschlagenen Dombrowski durch Nittke und Pohl ersetzen.
In der Schlussviertelstunde rannte man nun an und versuchte, wenigstens noch das Unentschieden und damit auch Platz zwei zu retten. Nach einer gelb-roten Karte gegen Flügelflitzer Hoffmann wurde diese Aufgabe nur umso schwerer, jedoch stürmte und drängte man wie ein junger Goethe auf das 4:4. Doch nach wie vor hatte man Schwierigkeiten, echte Chancen herauszuspielen.
Plötzlich ergab sich für den mittlerweile wieder ins Sturmzentrum gewechselten P. Sulkowski (also offiziell wieder Stürmer-Sulkowski?) die Gelegenheit auf den sehr späten Ausgleich. Pohl schickte Koffein-Kevin steil, dessen Querpass landete bei besagtem Angreifer, der aus zwei Metern jedoch an Krüger scheiterte, der mit seiner starken Parade jenen Fehler vom Anfang des Spiels wettmachte und seinen Farben den Sieg rettete.
Kurz vor Schluss gab es noch einen kurzen Schreckmoment, als Torschütze Matzkeit schwer gezeichnet nach einer Abwehraktion den Platz verlassen musste. Hoffentlich war alles nicht ganz so schlimm, wie es kurz aussah. Den Rest der Spielzeit verteidigte der Mecklenburger SV weiterhin leidenschaftlich und vergab in der letzten Aktion nach einem Konter aufs leere Tor die Entscheidung, denn Rusch konnte auch ohne Basecap spektakulär retten und verhinderte das fünfte Gegentor sogar mit seinem Rücken durch eine rückwärts gesprungene blinde Parade. Direkt danach war Schluss, Gniffke beendete das Topspiel.
Somit stand man wie in der Hinrunde bei einer knappen Niederlage und musste sich erneut fragen, wie man dieses Spiel verlieren konnte. Erstaunlich ähnlich wie am dritten Spieltag schoss man das erste Tor und war eigentlich feldüberlegen, nur um am Ende trotz dreier (!) Führungen als Verlierer vom Platz zu gehen. Gerade in der ersten Halbzeit vergab man zu viele gute Chancen, während der Gastgeber effizient war und hingebungsvoll verteidigte, um sich den glücklichen Sieg zu sichern.
Damit tauschen beide Teams in der Tabelle die Plätze: Dorf Mecklenburg klettert auf Aufstiegsplatz zwei, während der Neumühler SV von nun an von Platz drei aus in der Jägerrolle ist. Vielleicht wendet sich das Blatt im Aufstiegsrennen erneut am 15. Spieltag, wenn der NSV auf seiner Ranch den Groß Salitzer SC empfängt, der überraschend auf seinem schmalen Geläuf die Boltenhagener Mannschaft schlug. Der Mecklenburger SV reist zum nächsten Spitzenspiel zum Gostorfer SV.
NSV spielte mit: Rusch – P. Sulkowski, T. Sulkowski, C. Schröder (C), Bebernitz – Hahn (54. Salchow), Schöwe – R. Holst (75. Nittke), Dombrowski (75. Pohl), Hoffmann – Zengel
Ebenfalls im Kader: L. Holst, B. Schröder
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Nach dem geglückten Ligaauftakt wartete auf den Neumühler SV der nächste unangenehme Gegner. Am zweiten Spieltag empfing man den Neuburger SV, vor zwei Saisons Kreispokalsieger und seit vielen Jahren Stammgast in der Kreisoberliga SN-NWM. In den letzten Begegnungen hatten sich die Gastgeber schwer gegen diesen Gegner getan und wollten nun die nächsten drei Schritte einsammeln, während der Gast nach der heftigen Auftaktpleite gegen Dynamo Schwerin II auf eine deutliche Leistungssteigerung hoffte. Leider mussten die Schweriner auf ihre Coaches Baruschke und Schaar verzichten, weswegen Vorstandsvorsitzender Schröder das Trainerteam unterstützte und bei der einen recht souveränen Eindruck machte, als hätte er sein Leben lang auf diese Chance gewartet. Die Führungsriege stellte das Team notgedrungen auf einigen Positionen um. Im Mittelfeld fehlten Schöwe und Leipold, für sie spielten im neu einstudierten 4-3-3 Hoffmann und Entelmann vor dem heute defensiv eingesetzten Dombrowski. Vorne begann Koffein-Kevin, während B. Schröder in der Abwehr das Glatze-mit-Bauch-Duo in der Innenverteidigung mit Neuzugang Genkel bildete. Im Gegensatz zum defensiv ausgerichteten Spiel gegen Holthusen wollte man dieses Mal vermehrt auf Pressing und frühe Ballgewinne setzen. Vor dem Anpfiff gab es mit Unparteiischen eine Schweigeminute, um einem verstorbenen Schiedsrichterkollegen zu gedenken. Der offensive Plan sollte von Anfang an gut funktionieren, Neuburg fand kaum in einen strukturierten Spielaufbau und leistete sich immer wieder offensive wie defensive Fehler. Bereits nach zwei Minuten drosch Salchow einen Abpraller per Volley unter die Latte und stellte früh auf 1:0. Schlussmann Binkowska sah dabei etwas unglücklich aus, der Ball sauste über ihn hinweg wie eine Sternschnuppe über ein verliebtes Paar am Nachthimmel. Diesen Blitzstart konnte man gleich bestätigen, als Bebernitz nach einer Ecke von Hoffmann seine Samba-Hüfte in die Flugkurve des Balles stellte und diesen ins Netz lenkte. 120 Sekunden nach dem Führungstreffer lag man bereits mit zwei Treffern in Front. Doch man wurde gerade erst warm und spielte sich in einen offensiven Rausch. Angekurbelt von Sechser Dombrowski, der seine Holding Six als stürmende Sechs neu erfand und mehr im gegnerischen Sechzehner auftauchte als ein Fresssüchtiger beim All-you-can-eat-Büffet, entwickelte sich eine Sturmfront auf das Neuburger Tor. Dabei vernachlässigte das Mittelfeld jedoch gekonnt die Absicherung, was die Angereisten zu der einen oder anderen Konterchance gastfreundlich einlud. Glücklicherweise fehlte hier die nötige Präzision und Zielstrebigkeit, um die Fehler zu bestrafen. Dies gelang dem NSV besser, nach einem der eigentlich seltenen offensiven Vorstößen von Hahn ließ Enkelmann in bester Kroos-Manier den Ball passieren und Dombrowski startete die Rakete wie Mätropolis. Seine Fackel zischte ins rechte Eck, Binkowska konnte nur hintergucken. Somit stand es nach 15 Minuten nicht nur 3:0, sondern sogar 4:0. Entelmann hatte geschickt einen Kontakt im Sechzehner angenommen und war grazil hingeplumpst, Boller trieb seinen Schärfe-vor-Genauigkeit-Ansatz auf die Spitze und donnerte die Kugel zentral unter die Latte. Trotz des frühen deutlichen Vorsprungs musste man in der Verteidigung wachsam bleiben. Genkel verhinderte mit einer Wahnsinsgrätsche den sicheren Gegentreffer, auf der anderen Seite erhöhte Hoffmann auf 5:0 in der 23. Minute. Mit der sicheren Führung ließ man nun die Zügel etwas lockerer und die Gäste kamen etwas besser ins Spiel. Die Lücken in der Abwehrreihe von Neuburg waren nach wie vor aber so groß wie das Wissen der Hagenower Abiturienten, wurden jetzt aber nicht mehr so hart bestraft. Und so dauerte es bis zur 40. Minute, bis das nächste Tor fiel. Weidemann traf einen Halbjahr geklärten Eckball satt und versenkte die Kugel im langen Eck. Torwart Rusch war bei diesem ersten richtigen Abschluss auf sein Gehäuse chancenlos. Den kleinen Warnschuss nahm man ernst und stellte noch vor dem Halbzeitpfiff auf 6:1, als Boller alleine auf weiter Flur cool blieb und seinen zweiten Treffer markierte. In der Halbzeit zeigte sich Aushilfscoach Schröder recht zufrieden mit seiner Leistung (und auch der des Teams), nur die defensive Absischerung blieb der Kritikpunkt Nummer Eins. Unverändert ging es in den zweiten Durchgang, der ein wahres Chancenfestival werden sollte. Alle zu beschreiben, würde diesen Bericht in einen Essay über die Effizienz im Amateurfußball verwandeln. Toretechnisch begann es recht verhalten, erst in der 59. Minute erzielte man durch Dombrowski das 7:1, als er nach einer Ecke wie Horst Hrubesch zu seinen besten Zeiten das Spielgerät über die Linie schädelte. Doch zuvor hatte man in Person von Genkel und Captain Schrotti zweimal Aluminium getroffen, weitere gute Möglichkeiten ausgelassen und hinten weiter mit dem Feuer gespielt. Der Offensivdrang aller Mittelfeldspieler zeigte sich als Fluch und Segen, wobei in diesem Spiel der positive Part den negativen Part überbot. Nichtsdestotrotz schenkte man damit einem in jeder Hinsicht unterlegenem Gegner unnötige viele Torchancen, eine nutzte Losch in der 67. Minute zum 7:2, unmittelbar danach verhinderte Rusch den Nachschlag des Gegners wie eine mies gelaunte Kantinenfrau. Sichtlich erbost rief er sein Team zur Besinnung an, was nur teilweise gelang. In der Folge lieferten sich die Neumühler einen teaminternen Wettbewerb im Chancenvergeben, in dem auch die mittlerweile eingewechselten Ludwigs und später auch Maschler und L. Holst eingriffen. Zwischendurch erzwang Pressingmaschine Dombrowski das 8:2, als er Binkowska die Kugel klaute und ins leere Tor einschob. Die Partie flachte nun ab, das spannendste war die spontane Fehde von Boller mit einigen Gästefans, die sich in Galgenhumor versuchten. Kurz vor Schluss wurde es kurz hitzig, als ein Neuburger die Beine von Hoffmann wegdrosch, als wären sie ein Football beim Kick-Off. Der Gefoulte war damit nicht ganz so glücklich und geigten dem Täter recht unwirsch die Meinung, beide erhielten in einer ansonsten fairen Partie die gelbe Karte. Danach wurde es nochmal sportlich relevant, als C. Schröder einen Fernschuss losließ, der abgefälscht seinen Weg ins lange Eck fand. Der Spielführer feierte einen seiner wenigen Tore aus dem Spiel heraus mit einem beeindruckenden Statuen-Jubel, der der Freiheitsstatue in Sachen Opulenz in Nichts nachstand. Kurz darauf beendete der Unparteiische die Begegnung. So feierte der Neumühler SV im ersten Spiel auf der heimischen Ranch einen furiosen 9:2-Sieg, den jedoch nicht alle so dermaßen feierten, wie das Ergebnis vermuten lässt. Während man in den ersten 25 Minuten den überforderten Gegner komplett überrollte, zeigte man defensiv zu viele Lücken und hatte nach dem schnellen 5:0 das eine oder andere Mal Glück, nicht einen einfachen Gegentreffer zu schlucken. Die mangelnde Effizienz im Angriff wurde in diesem Spiel nicht bestraft, man hätte ohne Probleme 15 Tore schießen können. Neutrainer Schröder zeigte sich glücklich mit dem Ergebnis, der den NSV geradezu an die Tabellenspitze katapultiert. Auch wenn dies natürlich eine frühe und nicht aussagekräftige Bestandsaufnahme ist, wird man mit diesem Saisonstart und der maximalen Punkteausbeute sehr zufrieden sein. Als Nächstes trifft man auf den aktuell Zweitplatzierten vom FC Selmsdorf. Gegen dieses Team wird man in einigen Aspekten zulegen müssen, um erneut als Sieger vom Platz zu gehen. NSV spielte mit: Rusch - Hahn, Genkel, B. Schröder, C. Schröder - Hoffmann, Dombrowski, Entelmann (56. Ludwigs) - Bebernitz (79. Holst), Salchow (79. Maschler), Boller

Der NSV ist wieder da! Mit dieser freudigen Nachricht startete der erste Spieltag der Kreisoberliga SN-NWM, der für den Aufsteiger aus Schwerin direkt eine schwere Aufgabe hatte: Am Freitagabend reiste man nach Holthusen, um sich mit dem Drittplatzierten der letzten beiden Spielzeiten zu messen. Dieser hatte sich namenhaft verstärkt, mit Hasselmann kehrte der Mittelfeldmotor nach seinem einjährigen Ausflug zum MSV Pampow zurück und brachte den 21 Jahre jüngeren Torwart Facklam mit, beide standen in der ersten Elf. Beim Neumühler SV rückten ebenfalls zwei Neuzugänge in die Startaufstellung, Genkel begann in der Innenverteidigung und Boller auf Linksaußen. Coach Baruschke formierte seine Mannschaft wie schon im letzten Test in einem 4-3-3 bzw. 4-1-4-1, mit dem man den spielstarken Gegner in seiner Offensivqualität Einhalt gebieten wollte, um dann über schnelle Konter gefährlich zu werden. Etwas Überraschend begann Dampfwalze Bebernitz dabei nicht links hinten, sondern auf der rechten Offensivseite. Hoffmann musste dafür auf der etwas unbeliebten Mittelstürmer-Postion ran, dahinter sollten Schöwe, Dombrowski und Leipold das Zentrum dichthalten. Vor den Anpfiff gab es für NSV-Urgesteine noch eine schöne Überraschung, Steve Doebler, vor einigen Jahren noch unter dem Namen Athmani für den NSV aktiv, besuchte sein ehemaliges Team bei einem Heimaturlaub. Captain Schrotti schwörte im Mannschaftskreis seine Truppe auf die bevorstehenden 90 Minuten ein, der Schlachtruf hallte wie ein Donnerschlag durch das beschauliche Dörfchen bis an die Scheiben des örtlichen Philipps-Marktes. Vor 96 interessierten Zuschauern eröffnete der Unparteiische Gniefke die Partie. Von Anfang an zeigte sich, dass die beginnende Saison eine deutlich größere Herausforderung sein würde als noch die vorherige in der Kreisliga. Der Gastgeber bestimmte das Spiel von Anfang an und hatte schnell eine erste Chance auf das 1:0, vergab diese jedoch. Das Aufbauspiel der Gäste wurde früh durch ein organisiertes Pressing gestört, sodass kaum gefährlich nach vorne kamen. Meistens nutzte man hierfür schnelles Umschalten nach Ballgewinnen, Dombrowski zielte jedoch knapp vorbei und Hoffmann schoss zweimal nach langen Bällen an Facklams Gehäuse vorbei. Auf der anderen Seite stand die Defensive unter permanenten Dauerstress und musste mehrmals in letzter Sekunde blocken oder hatte Glück, dass die gegnerischen Stürmers zu ungenau zielten. Der spielstarke Gastgeber zwang das Mittelfeld des NSV zu einer massiven Laufleistung, um die ständig rotierenden Spieler zumindest halbwegs zu decken. Nach 25 Minuten fand ein perfekter Chip-Ball den freien Baumann, der die Kugel perfekt ansaugte und Schlussmann Rusch keine Chance ließ. Somit lag der Favorit verdient in Führung. Anschließend hatte sich der Gast halbwegs an die neue Gangart gewöhnt und konnte nun besser mithalten. Das Verteidigen gelang effizienter, nach vorne passte aber nach wie vor wenig zusammen. In der Halbzeit zeigte sich Baruschke daher nicht unzufrieden mit der Leistung seines Teams und wollte nun ein höheres Anlaufen seiner Mannschaft sehen, um das kontrollierte sowie gefährliche Aufbauspiel zu unterbinden. Dieser Plan sollte sich als ausschlaggebend für die phänomenale Mannschaftsleistung im zweiten Durchgang herausstellen. Das Team zeigte eine neue Überzeugung, das Spiel doch noch zu drehen. Holthusen hatte nun Probleme beim Aufziehen ihres Spieles, Neumühle zeigte sich defensiv griffiger, konnte aber offensiv nach wie vor kaum in Erscheinung treten. In der 54. Minute zeigte Dombrowski seine gefürchtete Kombination aus Flanke und Torschuss, nach der er hörbar umgesenst wurde. Gniefke zeigte sehr zum Ärger des Heimteams auf den Punkt, eine strittige Entscheidung. Boller nahm sich der Sache an und drosch die Kugel in die Tormitte, während Facklam zur Seite hechtete. Der nicht unverdiente Ausgleich in einer nun offeneren Partie. Holthusen antwortete mit verstärktem Drang auf die erneute Führung und kam jetzt wieder gefährlicher vor Ruschs Kasten. Dieser tauchte bei einem platzierten Fernschuss aber ab wie ein U-Boot und lenkte die Kugel stark um seinen Pfosten. Ansonsten überraschte der SFV mit überraschenden Fitnessproblemen, bereits kurz nach dem Wiederanpfiff sackte der erste Spieler mit einem Krampf zusammen, dem im weiteren Spielverlauf noch zwei weitere Mannschaftskollegen folgten. In der 66. Minute gelangte Holthusen über links in den Strafraum, Hahn konnte nicht entscheidend stören. Genkels Befreiungsschlag misslang, wodurch Qualmann an die Kugel kam. Den heranrauschenden Schöwe ließ er links liegen wie nasse Zeitung auf dem Bürgersteig und überwand Rusch aus kurzer Distanz. Baruschke reagierte auf den erneuten Rückstand mit einem Doppelwechsel. Salchow und Neuzugang Entelmann kamen für Bebernitz und Leipold. Beide sollten sich sofort aktiv ins Spielgeschehen einbringen. Entelmann, den alle von nun an nur noch „Muddi“ nennen, begeisterte mit Ballsicherheit und klugen Pässen, Salchow pflückte auf der rechten Seite hoch und runter, als würde er im angrenzenden Schorchs Garten ein Praktikum machen. Kurz darauf bekam der NSV einen Freistoß von der rechten Seite zugesprochen. Dombrowski schnappte sich den Ball nahe der Auslinie und zirkelte ihn mit seinem gefährlichen linken Fuß zum Tor. In der Mitte hoppelte er jedoch an Freund und Feind vorbei, Hahn versuchte sich noch an einem lässigen Hackentrick, kam aber nicht ran. Zur allgemeinen Überraschung fand die Knitte aber seinen Weg in die lange Ecke, womit es wieder Unentschieden stand. Der Spielverlauf war jetzt wie die zweite Halbzeit ausgeglichen, auch wenn der Favorit immer noch die besseren Chancen hatte. Der nimmermüde Hasselmann lenkte das Spiel aus dem Zentrum heraus und wurde immer wieder mit seinen Abschlüssen gefährlich. Einmal rettete die Latte für den NSV, einen Freistoß fischte Rusch gekonnte aus seinem Torwarteck. Für die letzten zehn Minuten brachte Baruschke nun Pohl für Hoffmann. Der Joker überzeugte als raubeiniger Kampfzwerg, der jeden Zweikampf führte, als könnte er noch mehr Urlaubstage für sich rausschlagen. Drei Minuten vor Schluss spielte Muddi einen starken Außenmauken-Pass auf den nimmermüden Sprinter Boller, der im Sechzehner knapp vor Facklam an den Ball kam und anschließend von ihm umgesenst wurde. Dieses Mal war der Elferpfiff unstrittig, für Neumühle ergab sich die etwas unverhoffte Chance auf die späte Führung. Dem Gefoulten war dies anscheinend zu viel Druck, er ließ jetzt Captain Schrotti antreten. Der Spielführer machte es gewohnt souverän und verlud den Torwart. Sein unnachahmlicher Jubellauf führte ihn in die Arme von Teammanager Kojetin, wo ihn auch der Rest der Mannschaft einholte. Holthusen reagierte mit einer wütenden Schlussoffensive, Gniefke zeigte fünf Minuten Nachspielzeit an, die er aber noch etwas verlängerte. Vermutlich war er begeistert von dieser mitreißenden Partie, die die Zuschauer gut unterhalten konnte. Der Gastgeber versuchte alles, um noch auszugleichen, scheiterte aber an den aufopfernden Verteidigern der Schweriner. So beendete der Schiedsrichter die Partie und ließ den NSV feiern. Die neue Saison beginnt nicht nur mit einem Paukenschlag, sondern einer ganzen Ouvertüre. Nach anfänglichen Problemen und verdientem Rückstand steigerte man sich immer weiter im Verlauf des Spiels, gekrönt von einer sensationellen zweiten Halbzeit, in der man mit dem Spitzenteam durchaus mithalten konnte. Defensiv stand man stabiler und konnte sich auf einen gut aufgelegten Rusch verlassen, der während des Spiels noch mit einem unorthodoxen Dribbling begeisterte. Nichtsdestotrotz hatte man eine gewisse Portion Spielglück, dass der Gegner seine Chancen vor allem in der ersten Halbzeit nicht nutzte und man mit zwei Elfern und einem Hüppelball dreimal treffen konnte. Dies störte dennoch die losgelöste Stimmung des Aufsteigers nicht. Die Zunge von B. Schröder befand sich vor Glück permanent außerhalb seines Mundes, so als würde er sich an einem imaginären Eis (oder jemand/etwas anderen) erfreuen. Haudegen Hahn herzte überschwänglich seine Kumpanen und ließ Trainer Schaar kurz vor dessen Urlaub seinen glücklichsten Moment seit Langem erleben, während er innig mit ihm jubelte. Somit kann man direkt zu Beginn der neuen Spielzeit ein wahres Erfolgserlebnis feiern, mit dem vor Anpfiff wohl die wenigsten gerechnet hätten. Wichtig ist es nun, den Fokus auf das nächste Duell zu richten, wenn man sich mit dem Neuburger SV auf der heimischen Ranch misst. NSV spielte mit: Rusch - Hahn, Genkel, Zengel, C. Schröder (C) - Leipold (69. Entelmann), Schöwe, Dombrowski - Bebernitz (69. Salchow), Hoffmann (81. Pohl), Boller Ebenfalls im Kader: Grap, B. Schröder, Ludwigs





